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 Good Bye Mohammed

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Opium




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Anmeldungsdatum: 16.04.2009
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BeitragVerfasst am: 08.05.2011 02:18    Good Bye Mohammed Antworten mit ZitatNach oben

Pressberg lehnt sich sehr weit aus dem Fenster,...

« KarlMartell » hat folgendes geschrieben:
« Redpanther » hat folgendes geschrieben:

Kennt jemand von Euch das Buch "Good Bye Mohammed"? Wenn ich wüsste, dass es wissenschaftlich fundiert ist, würde ich es mir gerne zulegen.


Das aktuelle Buch

Ich gebe zu, ich war sehr skeptisch, als ich das Buch aufschlug und zu lesen begann. Wie kann es denn sein, dass ein populaerwissenschaftlichen Baendchen von 242 Seiten mit Hinweis auf neuere Quellenforschung und Archaeologie schon auf dem Cover behaupten kann, der Prophet des Islam habe nicht existiert? Ein Schluss, den auch die heutige westliche Koranforschung ablehnt, obwohl doch die wissenschaftlichen Erkenntnisse, die Norbert G. Pressburg fuer den nicht einschlaegig vorgebildeten Leser mit Humor und unter sparsamem Gebrauch von Fachtermini in "Good bye Mohammed" zusammenfasst, laengst, teils seit Jahrhunderten, bekannt und unbestritten sind.
So ist es eine Tatsache, dass alle heutigen Biographien des Propheten Mohammed auf die Bearbeitung des verschollenen Lebensberichts des Ibn Ishaq durch Ibn Hisham zurueckgehen, der im Vorwort bereits ankuendigte, bedeutsame Auslassungen getaetigt zu haben. Es ist also ein einziger Mann mit seiner Schrift, und die erschien erst 150 Jahre nach dem Tod des Mohammed, auf den wir uns heute verlassen muessen, problematisch auch, dass sie auf Befehl eines Kalifen erschien, von dem wir nur mutmassen koennen, ob er politische Ambitionen damit verband.
Gleichzeitig mit Ibn Ishaqs Veroeffentlichung setzte das Sammeln von Hadithen ein, von Ausspruechen und Taten des Propheten zu jedem nur erdenklichen Gebiet, aufgezeichnet von Gelehrten, die sehr gut daran verdienten. Allein schon diese Gleichzeitigkeit sollte uns zu denken geben, warum gab es nicht schon vorher solche Ueberlieferungen? Seit Ignaz Goldziher werden die Hadithe in der Wissenschaft kritisch gesehen und ihre Authentizitaet mehrheitlich in Frage gestellt – das Buch von Ibn Ishaq jedoch nicht!
Norbert G. Pressburg zeigt uns, wie sich der Islam entwickelt haben koennte und man kann nicht umhin, seinen Schlussfolgerungen zuzustimmen, fundierte Zurueckweisungen sind jedenfalls bis heute nicht erfolgt, auch deshalb, weil er eben nichts anderes getan hat, als die Puzzlestuecke aus Archaeologie, Orientalistik, Architektur, Sprachwissenschaften und Geschichtsschreibung zusammenzutun und uns leicht lesbar zu praesentieren. Diese weisen eben darauf hin, dass der Entstehungsprozess des Islam aus einer christlichen Sekte zur Weltreligion ein langer Prozess war und nicht auf einen einzigen Prediger aus der arabischen Wueste zurueckgefuehrt werden kann.
Das Literaturverzeichnis ist duerftig und etwas schlampig zusammengestellt, auffindbar sind die Werke jedoch. Problematisch diejenigen Fussnoten, die zum Suchen im Internet noetigen, was aber nicht immer von Erfolg gekroent wird. Die wenigen sachlichen Fehler sind zu verschmerzen, sie sind nicht mehr als Schoenheitsfehler.
Wie panisch die Politik in Deutschland auf ein solches Buch reagiert, zeigt der Umstand, dass ein hoher Beamter in Thueringen seinen Posten verlor, weil er das Buch an Multiplikatoren verteilen liess. Man musste die Lektuere verbieten, wohl weil man den Inhalt nicht entkraeften kann.

Norbert G. Pressburg: Good bye Mohammed. Das neue Bild des Islam. 2. Aufl. Norderstedt: Books on demand 2011. 242 S., Illustrationen. Euro 19,80 (ca 46 R$)

(Aus: Deutsche Nordost-Zeitung, Wochenblatt fuer Alagoas und Pernambuco, Nr. 16-2011, S. 8 )


...aber er stuerzt nicht.

Pressberg raeumt nicht nur mit dem Mythos Mohamed und dem Mythos Koran auf, also auch mit der Sunnah und dadurch den Hadithen, sondern zweifelt

- alles nach heutigem Wissensstand von Wissenschaftlern publiziert, nicht von Maerchenerzaehlern Jahrhunderte nach den angeblichen Vorfaellen niedergeschrieben und bis dato muendlich ueberliefert -

8 Kalifen, die meisten der "islamischen" Eroberungen (es waren arabische Eroberungen, deren Eroberer Christen waren), die Eroberung der iberischen Halbinsel "im Namen des Islam", 800 Jahre Toleranz in Al-Andaluz (es gab weder 800 Jahre islamische Besetzung, noch islamische Toleranz), die "Errungenschaften des Islam" im "goldenen Zeitalter des Islam" und etc. an. Wie schon anfangs gesagt: Er lehnt sich sehr weit aus dem Fenster, stuerzt aber nicht...

Sprachforschung und Archaeologie sind seine "Waffen".

Daneben gibt er noch die Antwort darauf, warum islamische Laender so rueckstaendig sind, wie sie sind, nimmt klar Stellung zur Desekularisierung der Tuerkei unter Erdowahn, der Tuerkei, der er vorher postuliert, eine einzigartige, positive Entwicklung innerhalb islamischer Staaten genommen zu haben, auf Grund der Saekularisierung durch "Atatuerk".

Ich lade ausdruecklich muslimische User dieses Forums ein, auf seine Zusammenfassung des wissenschaftlich beweisbaren, damit historischen Islam einzugehen.

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Harrypotter




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BeitragVerfasst am: 09.05.2011 07:16    Re: Good Bye Mohammed Antworten mit ZitatNach oben

« Opium » hat folgendes geschrieben:
............Daneben gibt er noch die Antwort darauf, warum islamische Laender so rueckstaendig sind, wie sie sind.............


Wie lautet seine Antwort ??????

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Opium




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BeitragVerfasst am: 09.05.2011 21:42    (Kein Titel) Antworten mit ZitatNach oben

Es sind eine Reihe von Faktoren:

- Eine der Gruende liegt in der arabischen Sprache und Schrift. Das "Arabische" gibt es nicht. Neben arabischer Umgangssprache gibt es das allgemein verbindliche Hocharabisch, die Arabiya, eine formale Sprache, die vom einfachen Volk nur unvollkommen verstanden wird und in der sich moderne Themen nur schlecht oder garnicht ausdruecken lassen.

- Im 12. Jahrhundert setzten sich die Ultraorthodoxen, mit ihrem Vordenker Al Ghazali immer mehr durch. Wissenschaftler wie Ibn Ruschd, Maimonides und andere wurden verfolgt.

- Der Koran und die Beschraenkung auf ihn als einzige und umfassende Wissensquelle ist nicht hilfreich im Konkurrenzkampf mit anderen Kulturen.

- Selber produziert wurde und wird in den islamischen Staaten fast nichts.

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Opium




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BeitragVerfasst am: 09.05.2011 21:50    (Kein Titel) Antworten mit ZitatNach oben

Hab gerade diese Rezession gefunden:

http://docs.google.com/viewer?a=v&q=cache:J3zlvzTHzLQJ:www.kas.de/wf/doc/kas_20646-544-1-30.pdf%3F101102121638+Norbert+G.+Pressburg&hl=pt-BR&gl=de&pid=bl&srcid=ADGEESiB2jg4dvH2PCUykKB3JajPLRIP62Jv_42vRVkWtBghIH3fYpcQGn20m37Voyuva6nHvBbvcNUwqmG8UZrJTESC5wHYgR3XojYrCu3UmQtiVid-x6705agXPCkXm_wFeJVsCBTq&sig=AHIEtbQ9L7wKWy1Nj2jeC-Oew4KimA6Gxg

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KarlMartell





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BeitragVerfasst am: 12.05.2011 04:12    (Kein Titel) Antworten mit ZitatNach oben

Man kann wohl sagen, dass Krieg herrscht in der deutschen Orientalistik. Angelika Neuwirth vom Projekt Corpus Coranorum fuehrt leider keine Argumente ins Feld, sondern diffamiert ihre Kollegen zimlich uebel:



KNA: Mit dem Pathos der Entzauberung betreiben Ihre Kollegen Karl-Heinz Ohlig oder Christoph Luxenberg ihre aufsehenerregenden Studien über die Einflussgeschichte des Koran. Sie stellen sogar die historische Existenz von Mohammed infrage.

Neuwirth: Ich halte nichts von der Wiederbelebung historischer Textkriege. Mit ihrer Islam-polemisch motivierten Koranforschung verbaut diese Gruppe die Möglichkeit zu einem Dialog mit der islamischen Gelehrtenwelt. Diese Forscher sind nicht an einem Wissensaustausch mit arabischen Gelehrten interessiert. Sie haben zum Teil nicht einmal arabische Sprachkenntnisse. Es ist zwar das Verdienst von Christoph Luxenberg, die Aufmerksamkeit wieder auf die syrischen Traditionen in der Umwelt des Koran gelenkt zu haben. Für den Koran selbst ist der Zugang der Gruppe aber wenig relevant: Der Koran dient ihnen als Steinbruch für ihre bereits vorgefassten Ideen über die Entstehung des Islam. Die Textkomposition, die diese Konstruktionen widerlegt, ignorieren sie vollständig. Um die These, dass Mohammed nicht existiert habe, zu untermauern, werden abenteuerliche Konstruktionen errichtet, die die wissenschaftliche Kompetenz der Gruppe weit überschreiten.

KNA: Die Debatte um den wissenschaftlichen Ansatz des Münsteraner Islamwissenschaftlers Muhammad Kalisch bringt dieses Thema nun aber verstärkt auf die Tagesordnung.

Neuwirth: Bedauerlicherweise hat Herr Kalisch seine persönlichen Zweifel an der Historizität Mohammeds öffentlich gemacht. Solche Zweifel hätten sich durch gründliche Lektüre zur Forschungslage leicht zerstreuen lassen. Zu dieser Lektüre wäre Herr Kalisch wie jeder Lehrstuhlinhaber, gleichgültig in welchem Fach er tätig ist, sich und seinen Fachkollegen gegenüber verpflichtet gewesen, um seine eigene Sicht auf die Auseinandersetzung mit der bisherigen Forschung gründen zu können. Seine Veröffentlichung der Zweifel ohne differenzierte Begründung und ohne eine überzeugende Gegenhypothese kann nur als Provokation verstanden werden. Hier ist eine möglichst ebenfalls öffentliche Diskussion gefordert, nicht einfach Berufung auf die akademische Freiheit. An diese Freiheit würde in Disziplinen mit stärkerem Kritikpotenzial kaum appelliert werden können. Islamische Studien sollten da keine Sonderstellung beanspruchen.

KNA: Was ist dagegen Ihr Ansatz?

Neuwirth: Wir wollen mit unseren muslimischen Kollegen über den Koran ins Gespräch kommen. Das ist aussichtsreich, weil wir glaubhaft machen können, dass wir ein aufrichtiges akademisches Interesse haben und keine politische oder antireligiöse Hinterabsicht. Es wäre eine Vergeudung, wenn wir die unschätzbaren Kenntnisse und Erfahrungen islamischer Korangelehrter, die wir uns als Außenstehende kaum je vollständig aneignen können, einfach ignorieren würden. Wir können nicht annähernd so viel über die sprachlichen und theologischen Aspekte des Koran wissen wie diese Gelehrten. Was wir von der islamischen Tradition mit unseren Methoden erfassen, ist nur die Spitze des Eisbergs.


http://www.islamische-zeitung.de/?id=10897

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Gruss
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KarlMartell





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BeitragVerfasst am: 12.05.2011 17:03    (Kein Titel) Antworten mit ZitatNach oben

Ist der Islam ursprünglich eine Version des Christentums?
Alfred Hackensberger 23.03.2008
Islamwissenschaftler Karl-Heinz Ohlig über die Frühgeschichte des Islam

In den letzten Jahren meldeten sich Islamwissenschaftler, Philologen und Historiker zu Wort, die historisch-kritisch die Geschichte des Islams untersuchen. Zu ihnen gehört Professor Karl-Heinz Ohlig von der Universität Saarland. In einem zweiteiligen Interview spricht der deutsche Religionswissenschaftler über seine Forschungsergebnisse, die die Frühgeschichte des Islam in einem vollkommen neuen Licht zeigen.


Eines Ihrer Bücher zur frühen Geschichte des Islam trägt den Titel "Die Dunklen Anfänge". Was ist denn dunkel an der Entstehung des Islam, die man doch in jedem bekannten Lexikon detailliert nachlesen kann?

Karl-Heinz Ohlig: Schon Ignaz Goldziher, einer der "Väter" der Islamwissenschaft, hat in einem Vortrag im Jahr 1900 an der Sorbonne davon gesprochen, dass diese Anfänge recht ungeklärt sind. Tatsächlich bietet der Koran keinerlei biographisches Material zu Mohammed. Nur vier Mal kommt dieser Begriff vor, und nur an einer Stelle ist mit Sicherheit damit ein arabischer Prophet gemeint – wahrscheinlich eine recht späte Versgruppe. Mekka wird nur einmal, ohne irgendeinen Zusammenhang, erwähnt, Medina ("Stadt") dreimal, wobei unklar ist, ob nicht einfach "Stadt" zu verstehen oder ob das spätere Medina ("Stadt [des Propheten]") gemeint ist. Auch sonst gibt es keine Hinweise auf die Arabische Halbinsel. So sind alle "Informationen" zu den Anfängen des Islam erst späteren Texten entnommen: "Biographien", die im 9. und 10. Jh. aufgeschrieben wurden. Aus einem dieser Texte, den "Annalen" des at-Tabari (10. Jh.) stammen auch die Schilderungen der weiteren Geschichte. So fehlen für die ersten zwei Jahrhunderte zeitgenössische Texte, auf die man sich stützen könnte.


Die Geschichte des Islam wurde also 150 bis 200 Jahre nach dem Tod von Propheten Mohammed (632 n. Chr.) aufgeschrieben. Warum wurde erst so spät mit der Niederschrift einer islamischen Geschichte begonnen?

Karl-Heinz Ohlig: Wahrscheinlich konnte man erst ein Leben Mohammeds und weitere Abläufe beschreiben, nachdem sich diese Vorstellungen über die Anfänge herausgebildet hatten, ansatzweise nicht vor der zweiten Hälfte des 8. Jahrhunderts, und sich der Islam als eigenständige Religion des arabischen Reichs ausgebildet hatte. In Analogie zum Vorgehen des Pentateuch, der die Anfänge der Jahwereligion in die Moseszeit verlegt, hat man nun einen großartigen und kohärenten Anfangsmythos entworfen.

Können die Aufzeichnungen nach einer Zeitspanne von ein, zwei Jahrhunderten noch genau sein? Ist die islamische Literatur des 9. und 10. Jahrhunderts nicht notgedrungen ein Sammelsurium von Halbwahrheiten, das man nach wissenschaftlichen Gesichtspunkten vielleicht sogar als eine Fälschung bezeichnen müsste?

Karl-Heinz Ohlig: Diesen Entwurf als Fälschung zu bezeichnen, ist – ebenso wie bei den Büchern Mose oder der Romulus-Remus-Erzählung – falsch, weil dabei die literarischen Gattungen nicht berücksichtigt werden. Religiös-politische Gründungsmythen sind keine Geschichtsschreibung, und wollen dies auch nicht sein.

Aber sind es nicht genau diese "religiös-politische Gründungsmythen", die heute unter vielen Muslimen für real gehalten werden? Selbst in der Fachliteratur zur Islamgeschichte wird die tradierte Version nicht in Frage gestellt.

Karl-Heinz Ohlig: Gründungsmythen haben die Funktion, durch Rückgriff auf eingängige narrative Traditionen Identität zu stiften. In vorkritischen Gesellschaften werden sie selbstverständlich für real gehalten. Davon unabhängig aber fragt historisches Denken nach den tatsächlichen Abläufen. Dies ist auch in der Islamwissenschaft in Gang gekommen, wenn auch reichlich spät. So vertritt z.B. die in Amerika lehrende Islamwissenschaftlerin Patricia Crone die These, die Anfänge des Islam seien nicht auf der Arabischen Halbinsel zu suchen. Die Gestalt Mohammed hält sie aber für historisch, seltsamerweise nicht auf Grund muslimischer, sondern christlicher Texte. Bei letzteren erweisen sich allerdings die sehr seltenen Erwähnungen eines Mohammed als Jahrhunderte spätere Interpolationen von Abschreibern in ältere Texte, die von ihm nichts wussten.

Welche Rolle spielen die Hadithe, die überlieferte Lebensgeschichte und Aussprüche des Propheten Mohammeds? Sie wurden ebenfalls über ein Jahrhundert lang mündlich von Erzähler zu Erzähler weiter vermittelt, schließlich gesammelt und niedergeschrieben. Wie zuverlässig sind die Überliefererketten?

Karl-Heinz Ohlig: Die Hadithe und ihre Sammlung im 9. Jh. wurden notwendig, weil neue Probleme und Fragen auftauchten, für die im koranischen Material kein Bezug zu finden war. Durch sie konnten neue Rechtsfragen, Gemeindesituationen usw. mit Bezug auf Mohammed beantwortet werden. Diesem, seit dem 19. Jh. schon als weithin legendarisch beurteilten Material sollte ein hohe Autorität durch die Vorschaltung von Überliefererketten, die die Berichte als Überlieferung seit Mohammed kennzeichnen wollen, zugewidmet werden, die als theologische Legitimationsformeln, nicht als historische Information zu verstehen sind.

Aber in der Realität ist das doch, wie auch im Fall des Gründungsmythos, anders. Hadithe werden als historische Information verstanden. In einigen muslimischen Ländern sind sie die Basis der Rechtsprechung. Taugen sie als Basis für Richtersprüche?

Karl-Heinz Ohlig: Hadithe sind Basis für die Rechtsprechung neben anderen Quellen: dem Koran, der Übereinstimmung in der Rechtstradition oder dem freien Ermessen des Richters. Ob sie als Basis "taugen", entzieht sich meiner Kenntnis. Historische Informationen aber bieten sie prinzipiell nur für das, was man in den Kontexten ihrer Entstehung dachte, nicht für Worte Mohammeds.

Der Islam wurde die Staatsreligion des mächtigen arabischen Großreichs im 9. Jahrhundert

Sie haben in den letzten drei Jahren zwei Bücher zur neusten Forschung über die Entstehungsgeschichte des Islam herausgebracht. Laut Ihrer These war der Islam zu Anfang nicht als eigenständige Religion gedacht. Welche Beweise haben Sie und Ihre Forscherkollegen dafür gefunden?

Karl-Heinz Ohlig: Laut Zeugnis der christlichen Literatur unter arabischer Herrschaft im 7. und 8. Jh., aber auch der arabischen Münzprägungen und der Inschriften, z.B. im Felsendom in Jerusalem, vertraten die neuen Herrscher ein syrisch-persisches Christentum, das die Beschlüsse des Konzils von Nizäa nicht anerkannte: Jesus ist für sie Gesandter, Prophet, Knecht Gottes, aber nicht physischer Sohn Gottes, und Gott ist unitarisch einer, ohne "Beigesellung". Deswegen ordnet sie der Kirchenvater Johannes von Damaskus, gest. um 750, unter die christlichen Häretiker ein, weil sie seinem griechischen Verständnis von Christentum nicht entsprachen. Vor dem 9. Jh. ist von einer neuen, eigenständigen Religion der Araber nicht die Rede.

Das heißt, der Islam wurde erst später zu einer eigenständigen Religion gemacht?

Karl-Heinz Ohlig: Diese Formulierung klingt ein wenig nach Willkür oder bewusster Aktion. Es ist vielmehr so, dass Religionen oft entstehen, indem sie bei religiösen Vorstellungen der Tradition, aus der sie kommen, eine neue Gewichtung des Ererbten vornehmen, dieses anders interpretieren und in spezifischer Weise verfestigen und systematisieren.

Spielte die Politik der damaligen Zeit nicht auch eine entscheidende Rolle bei der Entwicklung des Islam als eigenständige Religion?

Karl-Heinz Ohlig: Der Islam wurde die Staatsreligion des mächtigen arabischen Großreichs im 9. Jahrhundert, das damit seinen Anspruch auf "universale" Geltung und Herrschaft untermauern konnte.

Das arabische Großreich machte eine verbindende neue Religion nötig, als Fundament einer neuen Welt quasi, um sich vom Rest abzusetzen, Differenz zu schaffen? Ein Imperium braucht auch eine spirituelle Quelle? Eine Religion und Botschaft, die es auch zu verbreiten gilt?

Karl-Heinz Ohlig: Dies scheint, in Konkurrenz zum Byzantinischen Reich, eine plausible Erklärung zu sein.

Warum wurde in der gängigen Forschung bisher selten über diese Faktoren und Zusammenhänge nachgedacht und meist von einer unverrückbaren islamischen Geschichte ausgegangen? Warum hat man nicht, wie beim Christentum, kritisch hinterfragt?

Karl-Heinz Ohlig: In der muslimischen Theologie sind Fragestellungen dieser Art verboten; sie hat bisher noch keine Aufklärung durchlaufen. Die westliche Islamwissenschaft beschäftigt sich weithin mit Philologie, ohne die in der Geschichtswissenschaft etablierten Methoden anzuwenden. Ebenso wenig untersuchen sie den religionsgeschichtlich und christlich-theologisch äußerst differenzierten kulturellen Raum des Vorderen Orients, so dass die Wurzeln und Motive aus diesen Traditionen nicht erkannt werden. Aber es gibt dennoch auf der ganzen Welt eine Reihe von Islamwissenschaftlern, die kritische und weiterführende Beiträge und Untersuchungen publiziert haben, die insgesamt gänzlich neue Perspektiven aufscheinen lassen. Weil es gegen zeitgenössische Quellen und historische Belege keine Argumente gibt, werden sich die traditionellen Auffassungen auf Dauer nicht halten können.

Welche Fehler wurden von der nicht-kritischen Forschung gemacht, beziehungsweise, was hat man unterlassen?

Karl-Heinz Ohlig: Man hat vergessen, dass historische Abläufe nur dann beschreibbar sind, wenn sie historisch-kritisch anhand von zeitgenössischen Quellen verifiziert werden können. Es gibt nicht wenige Epochen, über die nur kaum Zeugnisse erhalten sind. Das gilt für die Entstehungsphasen vieler Religionen, z.B. für den Buddhismus, den Zoroastrismus, die jüdische Religion, und auch im Christentum gibt es Fragen zum historischen Jesus. Die Anfänge des Islam werden in der sehr viel späteren Literatur detailliert entfaltet, und es mag durchaus sein, dass auch historische Traditionen in sie eingegangen sind. Aufs Ganze gesehen aber dokumentiert sie nicht die Anfänge, sondern das Denken des 9. und 10 Jahrhunderts über die Anfänge. Die westliche Islamwissenschaft hätte alle Möglichkeiten kritischer Untersuchungen gehabt. Aber sie hat sie nicht ausreichend wahrgenommen.

Rudi Paret, ein bekannter Philologe und Islamwissenschaftler, sagte einmal, dass der Koran nicht anzuzweifeln sei. Teilen Sie diese Auffassung?

Karl-Heinz Ohlig: Rudi Paret hielt den Koran in allen seinen Sätzen für authentisch, d.h. auf Mohammed zurückgehend. Diese These ist durch keinerlei Quellen gestützt, also ein bloße Behauptung. Er meint auch, wie viele andere, die Sammlung der Sprüche Mohammeds sei unter dem dritten Kalifen Osman, wenig mehr als zwanzig Jahre nach dem Tod des Propheten, abgeschlossen worden. Anzeige



Das stimmt also nicht, dass es nur eine einzige Version des Korans gab? Welche Beweise gibt es dafür?

Karl-Heinz Ohlig: Die noch erhaltenen Fragmente von Koranhandschriften, die ältesten wohl alle aus der zweiten Hälfte des 8. Jahrhunderts, zeigen ein anderes Bild: Es gab andere Surenfolgen, Textkomplexe fehlen noch usw. Der Koran war erst im Entstehen, die erste Ganzschrift lässt sich auf das Jahr 870 datieren. Vor allem aber sind die ältesten Handschriften "defektiv" geschrieben: Sie kennen, wie alle semitischen Schriften, keine Vokalzeichen, anders als in anderen semitischen Buchstabenschriften sind aber auch die Konsonanten mehrdeutig. Diese werden auch in der heutigen arabischen Schrift in ihrer Bedeutung erst klar durch die sog. diakritischen (unterscheidenden) Zeichen: ein bis drei Punkte über einem mehrdeutigen Buchstabenzeichen, die den gemeinten Konsonanten exakt festlegen. In den alten Koranhandschriften aber sind die Konsonanten unbestimmt: Ein Zeichen kann für zwei bis fünf Konsonanten stehen, so dass diese Texte ohne weitere Erklärung nicht lesbar sind. Das ist der Grund, warum sie im Lauf der Zeit – bis zum Ende des 9. Jahrhunderts – voll ausgeschrieben wurden (Plene-Schreibung). Hierbei sind den Abschreibern naturgemäß Interpretationsfehler unterlaufen.

Mit den "Interpretationsfehlern" beziehen Sie sich auf die Arbeiten von Christoph Luxenberg. Er hat den Koran mithilfe von Syro-Aramäisch, der lingua franca zurzeit von Prophet Mohammed, neu gelesen und plötzlich die zahlreichen dunklen, bisher unverständlichen Passagen im Koran entschlüsselt.

Karl-Heinz Ohlig: Christoph Luxenberg hat nachgewiesen, dass der Koran in einem aramäisch-arabischen Sprachumfeld geschrieben wurde, so dass nicht wenige Passagen erst ihren Sinn enthüllen, wenn sie als mit arabischen Buchstaben geschriebene aramäische Texte gelesen werden. In einer neuen Untersuchung hat er darüber hinaus anhand von Abschreibefehlern aufgezeigt, dass die Schreiber des Koran syrische Textvorlagen benutzt haben, der Koran also eine syro-aramäische und somit christliche Vorgeschichte hat. Dies entspricht auch dem Befund der arabischen Münzprägungen, die zeigen, dass die koranische Bewegung ihre Ursprünge weit östlich von Mesopotamien, also im syrisch-persischen Raum hat.

Warum findet erst jetzt eine kritische Auseinandersetzung mit der islamischen Historie statt? Sicherlich, es gab Ausnahmen, aber die wurden stets von der ‚scientific community’ abgetan.

Karl-Heinz Ohlig: Seit dem 19. Jh. hat die europäische, vor allem die deutsche Islamwissenschaft, die oft von jüdischen Gelehrten betrieben wurde, bedeutende Leistungen erbracht. Die Zeit des Nationalsozialismus brachte eine schlimme Zäsur. Heute kommt es darauf an, an die früheren wissenschaftlichen Traditionen anzuknüpfen, zugleich aber das Spektrum der Forschung durch interdisziplinäre Zusammenarbeit von Islamwissenschaftlern mit Semitisten, Indogermanisten, Theologen, Religionswissenschaftlern, Numismatikern oder – für Spanien – Hispanisten zu vertiefen. Nur auf diese Weise können die komplexen Entstehungsbedingungen des Islam sachgerecht erfasst werden. Ein wichtiges Postulat wäre, wie in den Bibelwissenschaften selbstverständlich, die Erstellung einer kritischen Koranedition anhand der frühen Handschriften, damit die Koranexegese sich nicht weiterhin ausschließlich auf den Kairiner Text von 1925 stützen müsste, von dem einfach – fälschlich – behauptet wird, er entspreche dem von Osman festgelegten Text.

Keine Religion ist vom Himmel gefallen

Sie haben auch versucht, historisch-kritisch über die Figur Propheten Mohammeds zu forschen. Hat es ihn tatsächlich gegeben?

Karl-Heinz Ohlig: Nachweisen lässt sich, dass die frühesten Münzprägungen mit dem Motto MHMT im Osten Mesopotamiens um 660 auftauchten, ihren Weg nach Westen nahmen und dort bilinguale Münzen geprägt wurden, in deren Mitte MHMT und am Rand in arabischer Schrift muhammad steht. Diese Münzen tragen eine christliche Ikonographie, z.B. immer wieder Kreuze, so dass muhammad offensichtlich, wie im Sanctus der Messe ("hochgelobt sei, der da kommt ...") als ein Prädikat Jesu verstanden wurde; muhammad heißt der Gelobte, Gepriesene oder der zu Lobende, zu Preisende. Dies entspricht auch dem Text der Inschrift im Felsendom, wo der Titel muhammad auf den Messias, Jesus, Sohn der Maria und Knecht Gottes bezogen ist, ebenso auf die Polemik des Johannes Damascenus gegen diese für ihn häretische Aussage.

Später scheint sich dieses christologische Prädikat von seinem Bezugspunkt gelöst zu haben, so dass es auf den im Koran häufig angesprochenen, namenlosen Propheten bezogen und somit in der Gestalt eines arabischen Propheten historisiert werden konnte. Diese Historisierung ist ebenfalls, die früheste Quelle, von Johannes von Damaskus bezeugt, der von dem Pseudopropheten Mamed spricht. Erst danach konnten die reichhaltigen Erzählungen von diesem Mohammed die historischen Defizite auffüllen.

Nach ihren Erläuterungen bleibt nur ein Schluss, dass Mohammed als historische Figur, wie sie heute bekannt ist, nicht existierte. Und er wurde erst im 9. und 10. Jahrhundert zu dem, was er ist?

Karl-Heinz Ohlig: Es ist durchaus möglich – wenn auch bisher nicht historisch erweisbar -, dass es am Anfang oder auch an einer anderen Stelle in der Geschichte der koranischen Bewegung einen wichtigen Prediger gegeben hat. Nach dem Zeugnis der arabischen Münzen oder z.B. der Inschrift im Felsendom aber muss angenommen werden, dass der Begriff muhammad, der Gelobte oder zu Lobende, ursprünglich ein christologischer Würdename war.

Strenggläubige Christen sind von Ihren Forschungsergebnissen sicherlich hoch erfreut. Sie können nun behaupten, das Christentum ist die eigentlich richtige, wahre Religion.

Karl-Heinz Ohlig: Bei historischen Untersuchungen geht es nicht um die religiöse Wahrheitsfrage. Zudem gibt es keine Religion, die vom Himmel gefallen ist. Alle sind aus Vorgängerreligionen entstanden, so z.B Taoismus und Konfuzianismus aus der chinesischen Reichsreligion, Hinduismus und Buddhismus aus der vedischen Religion, die jüdische Religion setzt die ganze kulturelle und religiöse Tradition des Alten Orients voraus, das Christentum die jüdische Mutterreligion, der Islam das syrische Christentum. Im Ergebnis sind somit alle Religionen vielfältig bedingt und vereinigen in sich synkretistisch viele traditionelle Motive, Erzähltraditionen, Kultbräuche, ethische Auffassungen, Institutionen usf.

In der Einleitung ihres Buchs, "Der Frühe Islam" schreiben Sie, dass Sie diese Religion nicht beschädigen wollen. Viele Muslime sehen das sicherlich anders, sie werden ihre Forschung eher als Angriff empfinden. Was können Sie ihnen entgegenhalten?

Karl-Heinz Ohlig: Die Aufklärung wurde seit dem 18. Jh. von vielen Christen – von manchen bis heute – als Angriff und Destruktion ihrer Religion empfunden und angesehen. In Wirklichkeit aber hat sie es dem Christentum ermöglicht, in der Moderne zu bestehen und auch für moderne Menschen lebbar zu sein. Diese Schritte hat der Islam noch vor sich, aber sie sind auch für ihn unausweichlich, wenn er eine Zukunft nicht nur in ghettohaft abgeschlossenen Gesellschaften haben will.

Gerade heute sieht es nicht so aus, als würde es viel Bereitschaft für eine Aufklärung in muslimischen Ländern geben. Warum hat dort noch keine Aufklärung stattgefunden?

Karl-Heinz Ohlig: Vom 9. bis zum 11. Jh., mit einer Nachblüte in Spanien, sind in den islamischen Gesellschaften bedeutende kulturelle Entwicklungen festzustellen, in Philosophie, Medizin, Mystik, "Naturwissenschaft" usw. Danach begann eine Phase der Regression. Unter der Vorherrschaft traditionell-rechtlichen Denkens konnten diese Ansätze nicht fortgeführt werden. Die Konfrontation mit der europäisch-christlichen Welt seit den Zeiten von Kolonisation und Imperialismus hat eine Rezeption des aufgeklärten Denkens schwierig gemacht, weil sie mit dem Makel des Unislamischen einherging und –geht. In den islamischen Gesellschaften fehlt auch ein wichtiges Element der europäischen Aufklärung: ein Bürgertum. Aufklärung scheint zwar in der globalisierten Welt unausweichlich, aber sie wird anders verlaufen als in Europa, dort aber, im Euro-Islam, wohl ihren Anfang nehmen. Aber auch in der islamischen Staatenwelt wird sie, mit zunehmender Alphabetisierung auch der Frauen, durch die Zwänge des Wirtschaftens und die mediale Präsenz der ganzen Welt und den Zugang zu allem verfügbaren Wissen, das Denken verändern. Über die zu erwartenden Zeitperspektiven kann man nur spekulieren.

Und wie sehen Sie die zukünftige Entwicklung innerhalb der westlichen Islamwissenschaften und der breiten Öffentlichkeit. In einem großen Islam-Artikel im Spiegel wurde ihre Forschung eher am Rande abgetan. Muss nicht auch der Westen seine Perspektive verändern?

Karl-Heinz Ohlig: Das sind viele Fragen. Ich beschäftige mich als Religionswissenschaftler in Forschung und Lehre seit 1973 mit allen möglichen Religionen, auch dem Islam, besonders aber mit dem Christentum. Nirgendwo aber sind in der wissenschaftlichen Literatur die überprüfbaren historischen Aussagen so mager wie für die Anfänge des Islam. Einen bequemen Konsens in Frage zu stellen, ist immer ein wenig schwierig, und es erfordert Zeit. Dies gilt auch für die Medien, deren Vertreter gelegentlich nicht geeignet sind, diese Probleme und Motive zu verstehen. Mittlerweile gibt es aber eine große internationale Forschergruppe aus einer ganzen Reihe von Disziplinen, die diese Fragen aufgreift und die Quellen kritisch untersucht. Diese wissenschaftliche Entwicklung lässt sich nicht mehr aufhalten.

http://www.heise.de/tp/artikel/27/27484/1.html

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BeitragVerfasst am: 12.05.2011 19:09    (Kein Titel) Antworten mit ZitatNach oben

Angeblich eigenhaendiger Nrief von Mohammed, aufbewahrt im Topkapi-Museum Konstantinopel. Ich kann das nicht lesen.

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BeitragVerfasst am: 14.05.2011 12:26    (Kein Titel) Antworten mit ZitatNach oben

Danke KM für den Text, leseswert, aber kein Moslem wird die Ergebnisse anerkennen, oder gar den Koran dadurch in Frage stellen, das darf er nicht und will es auch nicht. Kritik und kritische Fragen sind ihm untersagt, Nachdenken verboten, so einfach ist das.
Karl-Heinz Ohlig ist für mich auch kein Unbekannter und ich hatte ihn auch hier im Forum schon zitiert, nicht so ausführlich, wie Du es getan hast, aber in der gleichen Richtung. Einen christlichen Ursprung kann der Isalm nicht ableugnen und vielleicht ist es gerade das, was seine Anhänger zu unerbitterten Feinden des Christentum antreibt. Wenn es erst mal keine Christen mehr gibt, gibt es nur den Islam und keine unangenehmen Hinweise in dieser Richtung mehr.
Auch ich halte den Islam für eine Kopie des Christentums, geändert und angepasst auf die Bedürfnisse der damaligen Machthaber als eigenes Steuerungselement des Volkes und Legitimation gegen seine Feinde, daran hat sich seither bis heute nichts Wesentliches geändert.
"Tod den Ungläubigen" ist nach wie vor weltweit Parole und "Islam ist Frieden" weiter eine unverschämte Lüge.

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BeitragVerfasst am: 14.05.2011 14:26    (Kein Titel) Antworten mit ZitatNach oben

« KarlMartell » hat folgendes geschrieben:
Angeblich eigenhaendiger Nrief von Mohammed, aufbewahrt im Topkapi-Museum Konstantinopel. Ich kann das nicht lesen.

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Mit dem heutigen arabisch ist es allerdings nicht vergleichbar, wenn ich mir so die Schriftzüge ansehe.

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KarlMartell





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BeitragVerfasst am: 14.05.2011 14:59    (Kein Titel) Antworten mit ZitatNach oben

« eagle » hat folgendes geschrieben:
Danke KM für den Text, leseswert, aber kein Moslem wird die Ergebnisse anerkennen, oder gar den Koran dadurch in Frage stellen, das darf er nicht und will es auch nicht.


Deshalb haben wir ja die Spaltung in der deutschen Islamforschung. Ein honoriger Mann wie Tilman Nagel gesteht Ohlig ja noch das Recht zu, seine Ergebnisse zu veroeffentlichen und damit zur Diskussion zu stellen, jedoch die voellig durchgeknallte Angelika Neuwirth stellt ihn ausserhalb der serioesen Wissenschaft, und sie sagt auch ganz klar warum: Sie moechte mit den Moslems im Gespraech bleiben. Das ist nicht Wissenschaft, das ist Anbiederei, und deshalb halte ich das CC-Projekt auch fuer verfehlt, weil gekapert. Seinerzeit hatte ich mir was davon erwartet, heute nicht mehr.
Klar, ich bin nicht wie @Opium voellig ueberzeugt von Ohlig und Kollegen, es sollte diese Sicht der Dinge aber von ALLEN einschlaegigen Wissenschaftlern diskutiert werden und nicht mit solch miesen Mitteln gearbeitet werden, um dem institutionalisierten Islam zu gefallen.

Und warum duerfen die Devotionalien des Topkapi-Museums nicht untersucht werden, z.B. mit der Radiokarbonmethode? Ahnen die Tuerken was?

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Shardik




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BeitragVerfasst am: 14.05.2011 16:20    (Kein Titel) Antworten mit ZitatNach oben

« free-life » hat folgendes geschrieben:
« KarlMartell » hat folgendes geschrieben:
Angeblich eigenhaendiger Nrief von Mohammed, aufbewahrt im Topkapi-Museum Konstantinopel. Ich kann das nicht lesen.

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Mit dem heutigen arabisch ist es allerdings nicht vergleichbar, wenn ich mir so die Schriftzüge ansehe.


Doch das ist Kufi, so hat man im 6/7 Jhd. in dieser Gegens geschrieben. Bis auf die "Basmala" am Anfang und ein paarmal "Gott" kann ich nichts entziffern. Auf alle Fälle war der Schreiber sehr ungeübt, wollte seinen Text aber wohl durch häufige Verwendung von langen Finalen eleganter wirken lassen.

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eagle
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BeitragVerfasst am: 14.05.2011 19:07    (Kein Titel) Antworten mit ZitatNach oben

« KarlMartell » hat folgendes geschrieben:
« eagle » hat folgendes geschrieben:
Danke KM für den Text, leseswert, aber kein Moslem wird die Ergebnisse anerkennen, oder gar den Koran dadurch in Frage stellen, das darf er nicht und will es auch nicht.


Deshalb haben wir ja die Spaltung in der deutschen Islamforschung. Ein honoriger Mann wie Tilman Nagel gesteht Ohlig ja noch das Recht zu, seine Ergebnisse zu veroeffentlichen und damit zur Diskussion zu stellen, jedoch die voellig durchgeknallte Angelika Neuwirth stellt ihn ausserhalb der serioesen Wissenschaft, und sie sagt auch ganz klar warum: Sie moechte mit den Moslems im Gespraech bleiben. Das ist nicht Wissenschaft, das ist Anbiederei, und deshalb halte ich das CC-Projekt auch fuer verfehlt, weil gekapert. Seinerzeit hatte ich mir was davon erwartet, heute nicht mehr.
Klar, ich bin nicht wie @Opium voellig ueberzeugt von Ohlig und Kollegen, es sollte diese Sicht der Dinge aber von ALLEN einschlaegigen Wissenschaftlern diskutiert werden und nicht mit solch miesen Mitteln gearbeitet werden, um dem institutionalisierten Islam zu gefallen.

Und warum duerfen die Devotionalien des Topkapi-Museums nicht untersucht werden, z.B. mit der Radiokarbonmethode? Ahnen die Tuerken was?


Nichts wäre schlimmer als ein Gegenbeweis, der das bisher Geglaubte massiv mit unumstößlichen Fakten in Frage stellen könnte. Nicht umsonst ist jede Kritik und jeder Zweifel innerhalb des Islams verboten, das gilt auch für dieses Schriftstück.
Ohlig und Kollegen wird bei seinen Untersuchungen und kritischen Ergebnissen mit Sicherheit jeder auch nur verfügbare Stein in den Weg gelegt, die seine Glaubwürdigkeit mit allen nur denkbaren Mitteln untergraben könnten.
Bis aber niemand seine geschilderten Überlegungen plausibel widerlegen kann, ist seine Geschichte zumindest denkbar, allerdings kaum für den Moslem. Deshalb kann nicht sein, was nicht sein darf.

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BeitragVerfasst am: 15.05.2011 13:52    (Kein Titel) Antworten mit ZitatNach oben

Ein Beitrag von Hans Jansen, niederlaendischer Arabist

Der historische Nachweisbarkeit von Mohammed, Aisha und wer weiß von wem....

Rede vor der dänischen Gesellschaft für Pressefreiheit, Kopenhagen
Übersetzung von Liz/EuropeNews http://europenews.dk/de/node/43260

Wie Sie alle wissen, ist Mohammed der Prophet des Islams. Das Wort 'Prophet' kommt aus dem Griechischen und in Griechisch bedeutet das Wort 'Prophet' im Ursprung 'Sprecher'. Der Islam lehrt, so lernen wir, dass Mohammed der Sprecher Allahs war, und dass er im Jahr 632 in Medina starb, einer Stadt, die in dem geographischen Gebiet angesiedelt ist, das heute Teil des modernen Saudi-Arabien ist.

Der Islam befiehlt den Muslimen Mohammeds Beispiel bis ins kleinste Detail zu befolgen. Diese Pflicht Mohammed nachzueifern macht es für die Muslime so wichtig, dass sie wissen, wie genau Mohammed sich verhalten hat und welche Handlungen und Taten er vollbracht, empfohlen, befohlen oder toleriert hat. Darüber hinaus war das was er getan hat ein legaler Präzedenzfall. Er war schließlich Allahs Sprecher.

Über Mohammeds Lebensführung bietet der Islam eine Anzahl von Geschichten für den Interessierten an. Abgesehen von diesen Geschichten, werden die Gläubigen mit dem Besitz einer umfangreichen und sogar heilig gesprochenen Sammlung seiner Worte gesegnet. Wir sollen glauben, dass diese Worte und diese Geschichten Mohammeds Leben verkörpern. Das kann wahr sein, oder auch nicht.

Es wäre eine Rückversicherung, wenn wir archäologische Beweise hätten, die die offizielle muslimische Version einiger Begebenheiten und erzählten Geschichten unterstützen würden, oder einen Querverweis bieten würden – aber es gibt keinen solchen Beweis. Das bedeutet jedoch nicht, dass solche Beweise nicht existieren. Sie können immer noch im Sand Arabiens begraben liegen.

Nichtsdestotrotz ist das Fehlen archäologischer Beweise erstaunlich, aber noch erstaunlicher ist es, dass die Völker und Kulturen, mit denen die Armeen des Islams in der ersten Hälfte des siebten Jahrhundert nach unserem Kalender in Kontakt kamen, Mohammed in ihren Schriften nicht erwähnen. Sogar die Worte 'Islam' und 'Muslim' sind bis zu einem relativ späten Datum unbekannt gewesen.

Bitte beachten Sie, dass diese Kulturen weit fortgeschritten und gebildet waren. Wir sprechen hier über die Juden, die Armenier, die Griechen, Syrer und die Perser. Keine dieser Kulturen hat irgendetwas produziert, das auch nur in die Nähe eines verlässlichen Zeugnisses über Mohammed käme, dass aus der Periode datiert, in der Mohammed angeblich gelebt haben soll, oder aus einer Periode, die einigermaßen nahe daran ist. Auch hier muss man feststellen, dass ein solches Zeugnis theoretisch in der Zukunft gefunden werden kann.

Es mag sich verrückt anhören, aber es ist nicht so verrückt wie es sich anhört, eine Anzahl an Gelehrten vermutet daher konsequenterweise, dass Mohammed keine historische Figur sei, sondern eine literarische Gestalt, die von den antiken Geschichtenerzählern wahrscheinlich im achten Jahrhundert unserer Zeitrechnung erfunden wurde. Wenn diese Gelehrten recht haben, kann es emotional und intellektuell noch viel schwieriger werden die Geschichten von Mohammeds Taten als Hintergrund eines absoluten, authoritativen Beispiels des wahren islamischen Verhaltens anzusehen, wie die Muslime dies tun sollen. Es versteht sich doch von selbst, dass in den Augen des wahren Gläubigen die Autorität eines menschlichen Geschichtenerzählers niemals die göttliche Autorität eines Gottesboten erreichen kann.

Man kann ziemlich perfekt den Standpunkt verteidigen, dass die Geschichten und Predigten über Mohammeds Taten einfach deshalb erfunden wurden, um menschengemachten Regeln eine heilige Billigung zu geben, die diese Geschichten verkörpern. Diese Geschichten erfreuen sich einer religiösen Autorität, aber nichtsdestoweniger haben sie wahrscheinlich wenig oder gar keine Basis in der historischen Realität. Sie sind belehrend, sie mögen auch weise und gut sein, wie die Geschichte vom guten Samariter im Neuen Testament, aber sind sie Geschichte? Moderne Ungläubige werden deshalb keine schlaflosen Nächte haben, aber wahre Gläubige würden sich definitiv belogen vorkommen, wenn die kanonischen Geschichten über Mohammed reine Erfindung wären und keinerlei historischen Hintergrund besäßen.

Niemand wird es bis zur Stunde wagen aufrechtzuerhalten, dass wir dazu gezwungen sind die Historizität des Propheten des Islams zurückzuweisen, aber Zweifel ist angebracht und es ist schwierig zu verstehen warum die Muslime keine Forschungsprojekte ins Leben rufen um wenigsten einige Aspekte dieser Historizitätsfrage zu klären. Es kann doch nicht sein, dass sie Angst vor dem haben was sie herausfinden werden. Oder doch?

Natürlich könnten noch so viele Gelehrte die Frage nicht beantworten ob Mohammed wirklich der Bote Gottes war, aber die Archäologen könnten uns einige Dinge sagen über das antike Arabien, das wir gerne wissen würden und dass das offizielle islamische Bild dieser Zeit entweder bestätigen oder widerlegen würde.

Es wäre etwas zu gewagt die Historizität Mohammeds und Aishas und sonstwem auf der Basis nicht-existierender Beweise zu widerlegen. Trotzdem kann man nicht leugnen, dass es oft offensichtlich ist, dass die Geschichtenerzähler des frühen Islams sich nicht wie richtige Historiker anhören. Es ist ihr Ziel ihr Publikum von politischen, rechtlichen und religiösen Werten zu überzeugen. Sie versuchen nicht über die Vergangenheit zu berichten an die sie sich erinnern, obwohl es manchmal so aussieht als ob sie dies tun.

Beispielsweise Koran 4:34 befiehlt den Männern ihre Frauen zu schlagen, wa-Drbuuhunna. Das ist natürlich verstörend. Das Schlagen von Frauen ist nicht gerade eine mutige Angelegenheit. Wenn also die Geschichtenerzähler Mohammeds letzten Auftritt vor seinem Tod in der Öffentlichkeit beschreiben, dann lassen sie ihn sagen, dass Männer ihre Frauen nur leicht schlagen sollen. Ihre Geschichte mag das historische Gedächtnis darstellen, aber auf der anderen Seite ist es sehr viel wahrscheinlicher, dass es einem anderen Ziel dient: das heilige Buch des Islams davon zu befreien, dass es Gewalt gegen unbewaffnete Frauen predigt.

Die Geschichtenerzähler beabsichtigen ihr Publikum davon zu überzeugen, dass Mohammed tatsächlich ein Prophet Gottes war. Um das zu tun, versichern sie ihrem Publikum, dass schon die Christen, sogar die Mönche, ihn als solchen anerkannt hatten. Sie hatten von diesem Ereignis zwar keine richtige Erinnerung mehr, aber sie wollten ihr Publikum überzeugen, dass die Anerkennung Mohammeds als Prophet Gottes eine gute Sache war. Wenn eine neutrale, christliche Autorität Mohammed schon anerkannt hatte, so werden sie argumentiert haben, wie viel mehr sollten es dann die anderen tun!

In diesem Fall konnten die Geschichtenerzähler ihre Botschaft nur dann herüber bringen, wenn sie einen Hintergrund erschufen, auf dem Mohammed tatsächlich einen Mönch getroffen haben konnte. Also erzählen sie verschiedene Geschichten wie Mohammed als Kind zusammen mit seinen Onkeln nach Syrien zog. Dort traf er seinen Mönch und der Mönch erkannte ihn. Die vielen Geschichten über Mohammeds Reisen nach Syrien sind nicht das Produkt einer realen Erinnerung, obwohl sie sehr vage sind, sondern eine Erfindung die erforderlich wurde durch das theologische Bedürfnis Mohammed als Propheten von den Christen anerkannt zu bekommen, am besten durch einen Mönch.

Die Geschichte von dem Treffen Mohammeds mit dem Mönch ist unwahrscheinlich, sie taucht in vielen sich widersprechenden Versionen auf, aber sie erfüllten ihren Zweck. Aus demselben Grund übermitteln die Geschichtenerzähler Geschichten über ein Reise nach Äthiopien, die die frühen Muslime unternommen haben. Diese Geschichten enthalten keine Einzelheiten, aber wenn sie es tun, dann sind die Details widersprüchlich, ein Anzeichen dafür, dass sie wahrscheinlich erfunden worden sind – mindestens zum Teil, oder vielleicht ganz. Es ist schwer das zu beurteilen.

Männer, die predigten, dass Mohammed Gottes Bote gewesen war, erschufen eine Gruppe von Geschichten über Mohammeds Leben und einige dieser Geschichten könnten wahr sein. Aber welche? Für manche Geschehnisse gibt es drei oder vier Versionen. Sollten Gelehrte versuchen herauszufinden welche der vier Versionen die 'wahre' sein könnte? Oder vielleicht die einzig Wahre, Version fünf, ist vielleicht einfach vergessen worden? Wir wissen nichts darüber und werden es auch nie erfahren, Aber, die Möglichkeit dass eine der Versionen die sie kannten, die Wahre gewesen sein könnte, motivierte die Gelehrten des frühen Islams sehr stark, jede Geschichte die sie finden konnten, aufzubewahren. Dies führte zu dem chaotischen Status der Sammlung.

Es ist nicht nur das Fehlen der archäologischen Bestätigung und der seltsame literarische Charakter der islamischen offiziellen Version der Frühgeschichte des Islams, die beunruhigende Fragen aufwerfen. Sogar die Namen einiger der Hauptcharaktere sind suspekt. Kann es ein Zufall sein, dass die Namen der bekanntesten Frauen Mohammeds Khadija und Aisha Bedeutungen haben , die sich gegenseitig widersprechen? Das arabische Wort khadiiga bedeutet 'Fehlgeburt' und daher 'tot', wohingegen das Arabische aaisha 'lebend' bedeutet 'am Leben sein'. Ähnliche Vermutungen bei weniger wichtigen Namen sind reichlich vorhanden.

Und dann, zum Schluss, das heikelste Problem: Die Chronologie. Die Chronologie der Frühgeschichte des Islams ist unsicher, schon allein deswegen, weil die Menschen zu dieser Zeit keinen Kalender und keine Notizbücher hatten. Ernsthaft, nicht lange nach Mohammeds Tod änderte der Islam die Art der Zählung von Jahren und Monaten von Grund auf. Beide, sowohl der Koran als auch die Sammlungen der Erzählungen erzählen ausführlich von der Reform des Kalenders.

Die Geschichtenerzähler jedoch datieren oft ihre Geschichten in einen Monat des gegenwärtigen muslimischen Mondjahres, aber nicht einmal in einen der 'Schaltmonate' des vorangegangenen Systems. Waren Mohammed und die frühen Muslime während solch eines übersprungenen Monats komplett inaktiv gewesen? Das kann man sich nur schwer vorstellen.

Es gibt nur eine mögliche Schlussfolgerung: Die Geschichtenerzähler scheinen diese gut belegte Reform des Kalenders nicht bedacht zu haben. Warum muss man sich darum Sorgen machen? Bei dieser Reform im Jahr 631 wurden die Schaltmonate des früheren Systems abgeschafft. Noch nicht einmal die Namen der ursprünglichen Schaltmonate wurden erhalten. Das Fehlen der Schaltmonate in den Geschichten weist sehr stark darauf hin, dass die Geschichten in ihrer gegenwärtigen Form aus einer Periode datieren, in der der frühere Schaltmonat-Kalender vergessen wurde. Dies bedeutet, dass die Geschichten in ihrer gegenwärtigen Form später gewesen sein könnten.

Wir müssen mit weiteren Zufällen leben. Die Symmetrie der Chronologie der frühen Version der Frühgeschichte des Islams ist absolut erstaunlich. Mohammed hat zehn Jahre als Prediger in Mekka gelebt, danach folgten zehn Jahre als Staatsmann in Medina. Zehn Jahre vor Troja, zehn Jahre Rückreise nach Ithaka. Es ist nicht unmöglich, aber wahrscheinlich ist es nicht.

Die frühesten Geschichtenerzähler haben wahrscheinlich betont, dass Aisha jung war als Mohammed starb. Die nächste Generation Geschichtenerzähler hat die Geschichte wahrscheinlich verbessert. Wenn sie jung war als Mohammed starb, dann war sie vielleicht erst 18 Jahre alt im Jahr 632, dem Jahr in dem Mohammed starb. Aber dann war sie erst neun Jahre als Mohammed im Jahr 623 zum ersten Mal mit ihr schlief! Andere Geschichtenerzähler haben vielleicht noch einen weiteren Punkt hinzugefügt: Schauen Sie sich die wundervolle Symmetrie an die hier entsteht: Die Anzahl der Jahre, die sie zusammen mit Mohammed als ihrem Mann gelebt hat nach ihrer Hochzeit ist gleich der Anzahl der Jahre die sie vorher ohne ihn gelebt hat.

Die islamische Standardversion der Geschichte des frühen Islams ist mit vielen solcher Zufälle gesegnet. Das kann zu dieser Zeit den Gläubigen geholfen haben zu glauben, was eine gute Sache war, aber die modernen Skeptiker finden keinen Gefallen an solchen Zufällen, sie sind nur verdächtig. Wir können leicht erkennen, dass einige Geschichten Fortsetzungen haben, indem man sie einfach sorgfältig liest. Andere Geschichten haben sogar Vorläufer. Dies ist erstaunlich und es macht unser Misstrauen einfach nur größer.

Wenn die Chronologie nicht stimmt, dann ist es konsequenterweise höchst unwahrscheinlich dass Aisha tatsächlich 9 Jahre alt war als Mohammed begann mit ihr zu schlafen, wie es die muslimischen Quellen berichten. Dies hat rechtliche Konsequenzen. Wenn die Chronologie solcher Berichte in Zweifel gezogen werden kann, ist es dann sinnvoll sie als rechtliche Präzedenzfälle zu behandeln? Können Spezialisten in muslimischem Recht die Heirat sehr junger Mädchen mit alten Männern damit rechtfertigen, dass dies in Übereinstimmung mit Berichten aus dem Leben Mohammeds geschieht? Dieser Fall sieht extrem zweifelhaft aus.

Wir wissen beispielsweise eine Menge über die römischen Kaiser und dies aus vielen verschiedenen Quellen. Wir wissen fast gar nichts über die frühen Muslime. Wir wissen ganz sicher wenig über die Chronologie des ersten Jahrhunderts des Islams. Die Geschichten, die wir glauben sollen zeigen ein Maß an Symmetrie das gefällt, aber die reale Welt ist nur selten so symmetrisch.

Mohammed war, wie Sie alle wissen, der Prophet des Islams. Aber wir wissen nicht viel mehr als das, was auch immer die religiösen Würdenträger des Islams in dieser Sache behaupten.


Von Hans Jansen ist auf deutsch eine Mohammed-Biographier im Beck-Verlag erschienen:
http://www.beck-shop.de/Jansen-Mohammed/productview.aspx?product=22357&catalog=1&toc=360

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manuelo111




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BeitragVerfasst am: 22.05.2011 19:16    (Kein Titel) Antworten mit ZitatNach oben

hallo,

es ist enorm wichtig das endlich Leute die Geschichte und den Ursprung des Islam wissenschaftlich untersuchen! Warum? Ich komme auf mein Lieblingsthema zurück: islamische Missionierungspropaganda und der hinsichtlich Islam absolut ahnungslose Nichtmuslim (bzw auch Muslim Wink! ).
Wir leben zum Glück in einer freien und aufgeklärten Gesellschaft. Das Christentum, seine Glaubenslehre, seine Geschichte wurden hier und wird hier von oben und unten betrachtet, von der rechten und der linken Seite. Es wurde viel kritisiert. Es wurde berechtige Kritik ausgeübt, an den Haaren herbeigezogene und völlig unseriöse. Aber alles durfte und darf gesagt werden. Hat jemand zum Christentum fragen, oder will er es kennenlernen findet er hier (und weltweit) dutzende von verschiedenen Quellen, verschienden Aussagen, und verschiedenen Absichten! So "klären" z.B. auch vor allem Muslime Interessierte gerne über das Christentum auf!
Solange der Islam nicht da wahr, war es gut und unprobleamtisch das Christentum aus allen Richtungen zu betrachten, zu beurteilen, aufzuwerten, abzuwerten, zu verdammen. Nun kam aber der Islam. Alles was beim Christentum dank der Aufklärung erlaubt war und ist, ist beim islam verboten!
In islamischen Ländern findet sich keine islamkritische Literatur! Die Zensur achtet darauf! In islamischen Ländern wird man auch nur sehr schwer Literatur finden die andere Religionen gut heisst (die islamische Zensur wacht darüber!). So ist es nicht zu verwundern, wenn Muslime aus islamischen Ländern die ihr ganzes Leben lang nur gehört haben das nur der Islam wahr sei und alles andere minderwertig auch hier daran glauben! Schlimm ist es, wenn sich nicht-muslimische "Wissenschaftler" oder religiöse Gelehrte anderer Religionen dem anschließen (aus welchem Grund auch immer?!)

Jetzt kommt die islamische Missionierung wieder ins Spiel! Warum ist sie so erfolgreich??? Unter anderem weil es am Christentum sehr viel Kritik gibt und auch sehr viele Menschen offen an vielen Dogmen der Kirche zweifeln! dagegen sind "alle" überzeugt davon das der Islam wahr ist! Viele Islam-Konvertiten sagen, sie hätten auch Priester befragt die hätten jedoch gesagt die Bibel müsse man kritisch hinterfragen bzw. in einem islamischen Missionierungsratgeber wird empfohlen christliche Priester als Multiplikatoren zu verwenden! Wenn junge Christen, so die Schrift, von Priestern denen sie vertrauen hören würden, das der Islam eine tolle, wahre Religion sei wäre sehr viel gewonnen. Umgekehrt würde kein islamischer Gelehrter den Koran anzweifeln oder das Christentum als gleichrangig als wahre Religion neben den Islam setzen.

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kereng






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BeitragVerfasst am: 02.06.2011 20:42    (Kein Titel) Antworten mit ZitatNach oben

Ich habe dieses Jahr drei Bücher über den frühen Islam gelesen, mit einem bin ich noch nicht fertig:

Angelika Neuwirth Der Koran als Text der Spätantike
Dort fließen offenbar Forschungsergebnisse von Corpus Coranicum mit ein. Neuwith grenzt sich scharf von Ohlig und Luxenberg ab, und sieht die Entstehungsgeschichte des Korans als Dialog einer mit der jüdischen und christlichen Tradition vertrauten Gemeinde und einem Prediger, den sie nicht unbedingt Mohammed nennt. Bei der wissenschaftlichen Arbeit kommt sie aber, etwa wenn sie deutliche Parallelen zwischen Suren und Psalmen sieht, zwangsläufig in die Nähe der Inarah-Gruppe um Ohlig und Luxenberg.
Neuwirths Stil ist grauenhaft. Hier ist eine Probe (S.209, darin gibt Neuwirth Rosenthals Deutung der Dschahilliyya wieder):
    Indem sich die koranische Gemeinde mit dem Reizwort der djahiliya einer jüdischen Geschichtsdichotomie anschloß, nach der es eine Befindlichkeit gibt, die als solche undifferenziert negativ zu betrachten ist, die also >negiert<, nur als Negativfolie gebraucht, nicht als in sich relevanter Geschichtsabschnitt erinnert zu werden verdient, legte sie gewissermaßen den Grundstein für eine vergleichbare Ostrazierung der Vorgeschichte des Islam.

Markus Groß/Karl-Heinz Ohlig Die Entstehung einer Weltreligion Inarah 5
Das ist der fünfte Band der Serie, die mit Die dunklen Anfänge begann. Wie immer sind die Beiträge sehr unterschiedlich. Was Ohlig und Groß schreiben, klingt sehr vernünftig. Was Popp schreibt, weniger, aber vielleicht kann ich das nur nicht beurteilen. Elisabeth Puin zeigt wieder Unterschiede eines Koranspalimpsests auf, was sehr speziell aber auch interessant ist. Gerd-Rüdiger Puin referiert über Reihenfolgen des arabischen Alphabets im Jemen, was weniger interessant ist. Diese Aufzählung ist nicht vollständig.

Hans Jansen Mohammed - eine Biografie
Der niederländische Autor scheint ein richtiger Wissenschaftler zu sein, aber schreibt nicht so geschraubt wie Angelika Neuwirth. Das Buch ist sehr amüsant, mal abgesehen von den Stellen, wo gefoltert und gemordet wird. Jansen legt sich nicht fest, welcher Theorie über den frühen Islam er anhängt. Er findet Luxenbergs syro-aramäische Lesart plausibel (jedenfalls bezüglich Sure 96) und hält es (wie Patricia Crone) auch für möglich, dass Mekka gar kein Handelszentrum war. Ab und zu schreibt er extra, dass es auch so gewesen sein könnte, wie Ibn Ishaq es berichtete. Mir war neu, dass Ibn Ishaqs Sira nicht nur durch Ibn Hischam überliefert wurde sondern auch andere Autoren Stellen zitierten, die Ibn Hischam ausließ.
Es folgen ein paar Zitate, in denen Jansen die islamische Sicht einfach so wiedergibt, wobei kaum der Verdacht besteht, es sei seine eigene Meinung, eher schon Ironie. Aber vielleicht fassen Muslime es als Tatsachen auf.
    S.83
    Die Art, in der die Gesetze Gottes das menschliche Leben ordnen (das heißt die islamische Rechtspraxis), ist vollkommen, es gibt keine besseren, und solche heilsbringenden von oben kommenden Gesetze waren zur Zeit der Dschahilliyya noch nicht vorhanden. Gott sei Dank ist das heute der Fall, legt Sure 5.50 dar, heute, da der Gottgesandte Mohammed unter den Menschen weilt.

    S. 154
    Und siehe da, von allen Spöttern aus Mohammeds Zeit in Medina ist nichts geblieben! Damit ist wohl klar, auf wessen Seite Gott steht.

    S.270
    Die Muslime griffen an. Gott schenkte Ihnen den Sieg.
Hier ist noch eine Stelle mit Bezug zu Selbstmordattentätern. Ich hatte schon gehört, dass al-Ghazali nichts gegen diese Vorgehensweise einzuwenden hatte. Diesmal ist es Mohammed selbst, der sich nebenbei über den Fanatiker lustig zu machen scheint.
    S.272
    Ein gewisser `Auf ibn Harith fragte am Tag von Badr Mohammed, was er tun könne, damit der Herr seinem Diener vor Freude zulachen werde. Mohammed antwortete: "Wenn sich der Diener ohne sein Kettenhemd mitten unter seine Feinde stürzt." Daraufhin zug `Auf sein Kettenhemd aus und warf es weg. Er ergriff sein Schwert, sprang ungeschützt mitten unter seine Feinde und fiel im Kampf. Es ist nur zu hoffen, dass Terroristen, die bereit sind, ihr Leben zu opfern, Ibn Ishaq nicht lesen.

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