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Sure 3: Die Familie Imran   (übersetzt von multikultur)

Die Verse 64-120 der dritten Sure des Koran, "Die Familie Imran", setzen die Anschuldigungen gegen Juden und Christen fort, sie würden den Islam aus reiner Verderbtheit ablehnen, und ruft sie zur Rückkehr zum wahren Glauben Abrahams auf. Vers 64 geht noch über die Darstellung des Christentums aus den vorangegangenen Versen hinaus, indem er die "Leute der Schrift" zur Annahme des Islam auffordert. Dies wird als Einladung zu einem "Ausgleich" dargestellt: "(Einigen wir uns darauf) daß wir Allah allein dienen und ihm nichts (als Teilhaber an seiner Göttlichkeit) beigesellen, und daß wir (Menschen) uns nicht untereinander an Allahs Statt zu Herren nehmen". Dies würde (aus islamischer Perspektive) bedeuten, dass die Christen den Glauben an die Göttlichkeit Jesu sowie das "Vergöttern ihrer Rabbiner und Mönche" aufgeben müssten, wie es der Tafsir (Koran-Kommentar) al-Jalalayn in diesem Zusammenhang erwähnt (der Vorwurf selbst taucht in Sure 9, Vers 31 auf).

In den Versen 65-68 tadelt Allah die Juden und Christen, weil sie sich über etwas streiten, von dem sie "kein Wissen" haben (Vers 66): die Religion Abrahams. Der Stammvater könne laut Vers 65 kein Jude oder Christ gewesen kein, weil "doch die Thora und das Evangelium erst nach ihm herabgesandt worden sind". In Wirklichkeit sei er ein Hanif gewesen [vorislamischer Monotheist, der weder Jude noch Christ war], so etwa der Tafsir al-Jalalayn: "Abraham war in Wahrheit weder Jude noch Christ, er war Moslem, der sich zur Einzigartigkeit Gottes bekannte, er war ein Hanif, der alle anderen Religionen ablehnte und sich der einzig wahren zuwandte, und er war niemals einer der Götzenanbeter". Darüber hinaus sind Mohammed und die Muslime "die nächsten Anverwandten Abrahams", so Ibn Kathir: "Diese Ayah [Vers] bedeutet: Die, die das Vorrecht haben, sich als Jünger Ibrahims zu bezeichnen, sind jene, die seiner Religion und diesem Propheten, Mohammed, und seinen Gefährten folgten".

Wenn Abraham jedoch Muslim war, dann fehlt dem Judentum natürlich jede Berechtigung. Die Juden (und Christen) sind ganz einfach Abtrünnige vom wahren Glauben ihrer eigenen Propheten - dem Islam. Und das ist das Bild, das viele Muslime bis heute vom Juden- und Christentum haben. Vers 69 unterstreicht die Verderbtheit vieler Juden und Christen: sie möchten die Muslime in die Irre führen, wo es doch eigentlich sie selbst sind, die in die Irre geführt wurden, als sie die "Zeichen Allahs" ablehnten, obwohl sie deren Zeugen waren (Vers 70). "Zeichen" bedeutet im Arabischen "aya" - das gleiche Wort, mit dem auch die Verse des Koran bezeichnet werden. Diese Stelle könnte sich daher auf die christlichen Pilger aus Najran und/oder andere Christen und Juden beziehen, die hörten, wie Mohammed den Koran vortrug und den Islam dennoch ablehnten - und die, nach islamischer Darstellung, davon wussten, dass Mohammed ein Prophet war, dies aber aus Eigennutz nicht eingestehen wollten. Maududi dazu: "Aus diesem Grund wirft der Koran ihnen wiederholt die arglistige Verdrehung der Zeichen Gottes vor, die sie mit ihren eigenen Augen gesehen und über die sie selbst Zeugnis abgelegt haben". Aus den Versen 71 und 72 geht hervor, dass sie sich sogar zur Anwendung von List haben hinreissen lassen, um andere zur Abkehr vom Islam zu bewegen: sie "sagen gegen Allah wissentlich eine Lüge aus" (Vers 75). Zu diesen Gemeinheiten zählt auch, dass sie ihre eigenen Worte als Heilige Schrift ausgeben (Vers 78); einige Kritiker haben Vermutungen darüber angestellt, dass Mohammed selbst eines ihrer Opfer war, als er Wissen über frühere Offenbarungen sammelte und die entsprechenden Tricks noch nicht kannte.

Die Verse 79 und 80 erteilen der Vorstellung eine klare Absage, ein Prophet - ohne Zweifel ist hier Jesus gemeint - könne gelehrt haben, er sei göttlicher Abstammung. Er ist einfach nur ein Prophet wie die anderen Propheten auch (Vers 84) und Allah wird von niemandem eine andere Religion als den Islam akzeptieren (Vers 85). Und jene, die den wahren Glauben weiterhin ablehnen, nachdem sie ihn empfangen haben, ziehen dadurch den "Fluch Allahs und der Engel und der Menschen insgesamt" auf sich (Verse 86, 87). Dies bezieht sich gemäß Maududi auf die "jüdischen Rabbiner Arabiens", die Mohammed zunächst anerkannten und ihn dann verleugneten. In den Versen 93 und 94 wird behauptet, die jüdischen Speisevorschriften seien Erfindung der Juden (oder die von Jakob - bzw. Israel - persönlich) und in Vers 95 werden sie aufgefordert ihren haarspalterischen Regulierungszwang, wie Maududi es nennt, aufzugeben und zum wahren Monotheismus Abrahams zurückzukehren - also zum Islam.

In Vers 96 wird der Schrein in Mekka (Bakka) als erstes Gotteshaus der Welt bezeichnet. Laut Ibn Kathir wurde es von Abraham errichtet, "dem nachzufolgen die Juden und Christen von sich behaupten. Jedoch vollziehen sie nicht die Haj [Wallfahrt] zu dem Haus, das Abraham auf Allahs Befehl hin erbaut hat und zu dem er die Menschen zur Haj anwies". Die Schriftbesitzer glauben nicht an die Zeichen [ayat] Allahs (Vers 98) und versuchen, andere vom Wege Allahs abzuhalten (Vers 99). Wenn Muslime diesen Juden und Christen, die den Glauben an Allah ablehnen, gehorchen, so werden sie dadurch zu Ungläubigen (Vers 100). Am Tag des Jüngsten Gerichts werden die Gesichter der Gesegneten leuchten, die der Verdammten werden dagegen dunkel sein (Vers 106).

Im irdischen Dasein sind die Muslime unterdessen "die beste Gemeinschaft, die unter den Menschen entstanden ist", während die meisten Juden und Christen "Frevler" sind (Vers 110). Die Muslime müssen die Juden und Christen jedoch nicht fürchten, da diese außerdem Feiglinge sind: "Und wenn sie gegen euch kämpfen, kehren sie (alsbald) den Rücken (und fliehen)" (Vers 111). Erniedrigung ist über sie gekommen, "es sei denn (sie fanden Sicherheit) an einer (vertraglichen) Verbindung mit Allah oder an einer solchen mit Menschen" (Vers 112). Gemäß Bulandshari bezieht sich dies auf Nichtmuslime, die sich bereit erklären "die Strafsteuer (Jizya) an den muslimischen Staat abzuführen, was ihnen den Schutzstatus als Dhimmis gewährt". Die Rechte der Dhimmis sind nicht identisch mit denen der Muslime: sie haben sich zu unterwerfen und eine Stellung als Bürger zweiter Klasse zu akzeptieren, um eine Garantie für ihren Schutz zu erhalten - letzteres allerdings nur, solange sie keinen Moslem beleidigen.

Nun, dies soll die Schriftbesitzer dennoch nicht alle über einen Kamm scheren! Gibt es doch einige darunter, "die zu (gewissen) Zeiten der Nacht die Verse Allahs verlesen und sich dabei niederwerfen" (Vers 113). Nach Ibn Ishaq, Ibn Abbas und anderen bezieht sich dies auf "die Geistlichen unter den Schriftbesitzern, welche den Islam angenommen haben". Um die übrigen machen sie allerdings einen weiten Bogen: laut Ibn Kathir verbietet Vers 118 den Muslimen "Gläubige anderer Religionen als Berater oder Vertraute zu nehmen", da sogar die unter ihnen, die sich nach aussen hin freundlich geben, den Islam insgeheim hassen (Verse 119, 120).

In der nächsten Folge: In den restlichen Versen von Sure 3 werden einige Lehren vorgestellt, die aus den Ereignissen um die Schlacht von Badr gezogen wurden, dem ersten grossen militärischen Erfolg der Muslime - als sie noch "ein bescheidener, unscheinbarer Haufen" waren (Vers 123) und Allah ihnen den Sieg über den zahlenmässig überlegenen Stamm der heidnischen Kuraischa schenkte. Diese Schlacht hatte gewaltigen Einfluss auf die heutige islamische Einstellung zum Krieg.



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  Sure 3, 121-200

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Englischer Original-Artikel:
        BLOGGING THE QUR'AN, Sura 3, "The Family of Imran", verses 64-120

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        Adel Th. Khoury, ISBN alt: 3579080245, ISBN neu: 978-3579080246
        Rudi Paret, ISBN alt: 3170198297, ISBN neu: 978-3170198296

Online existieren n.a. folgende deutschsprachige Nachschlagemöglichkeiten:
        theology.de
        Saudisches Dawa-Ministerium
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